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BOB DYLAN NUR NOCH LEGENDE?

(MUSIK-SZENE, Nr. 7/8, 4. Jahrgang, Juli-August 1985, S. 10-13)

Er, die Legende der 60er und 70er; was zählt er heute, für Leute, die zu seinen Glanzzeiten noch im Sandkasten buddelten? Frank Sawatzki ging der Frage nach...

"Kosmisches Genie", "Rock'n'Roll-Prophet" und "Megaphon der Teen-unzufriedenheit auf der ganzen Welt" hat man ihn genannt. Menschenverachtung und übertriebene Ich-Bezogenheit wollten ihm viele nachweisen, während andere ihn als extrem schutzbedürftigen und sensiblen Menschen zu kennen gelobten. Neben fast genausovielen Bootlegs tragen 30 LPs seinen Namen und ein Stück von ihm kennt jedes Kind: "The answer my friend, is blowin' in the wind..."

Richtig: Die Rede ist von Bob Dylan, und über seinen Stellenwert in der Geschichte der Popmusk streiten sich noch heute Fans, Kritiker und Gelehrte. Frank Sawatzki hat der Bedeutung des Phänomens Dylan in der Jetzt-Zeit nachgespürt und sich darüber mit einigen deutschen Musikern und Musikkritikern unterhalten.

Während vor zwei, drei Jahren bei der Erwähnung des Namens "Bob Dylan" jedem eingefleischten New Wave-Fan die Stoppelhärchen zu ansehnlich aufmüpfigen Bergen gestanden haben sollen, gilt der Mann, der den Folksong verrockte, heute überall wieder was. Auch gibt man in diesen Kreisen inzwischen zu, daß um Dylan lange Zeit ein zu großer Bogen geschlagen wurde und holt nach, was man bislang versäumte: alte Dylan-Platten hören. Erstaunlich? Nein. Zum einen lag das Dylan-Revival schon länger in der Luft, und hat jetzt erst konkrete Formen angenommen: Der neue amerikanische Underground kommt in seiner Rückbesinnung auf die Roots der Rockmusik um diesen Dylan einfach nicht herum, genausowenig wie er um die Byrds oder Velvet Underground herumgekommen ist.

Es gibt zur Zeit nicht nur etliche Bands wie Jason and the Scorchers, die Dylan-Songs covern. Es gibt vor allen Dingen einige hoffnungsvolle Vertreter der Post-moderne, die gute alte Literatur verschlingen, oder wenigstens so auffällig unmodern gekleidet sind, daß es schon wieder modern, wieder hip ist, ist wieder von Rock'n'Roll und Ehrlichkeit und Gefühlen reden und die auf die eine oder andere Weise eben diesen Herrn Dylan musikalisch aufgearbeitet haben: Allen voran Green On Red, dann die Long Ryders, Plan 9, Violent Femmes, vielleicht noch R.E.M. und die "Baroque Hoedown''-LP von den Three O'Clock. An die textlichen Qualitäten Bob Dylans (allen voran in seiner surrealistischen Phase auf den LPs "Highway 61 Revisited" und "Blonde on Blonde") ist dagegen bislang kaum jemand heran-gekommen. Abgesehen vom frühen Bruce Springsteen, der auf "Greetings from Asbury Park" (1973) Zeilen dichtete, die von Dylan persönlich hätten stammen können:

"Hey bus driver, keep the change, bless your children, give them names, don't trust men who walk with canes...".
Und während ein Springsteen in Frühform dem Dylan dieser Jahre schon einiges an musikalischen Ideen und emotionaler Intensität voraus hatte, begann damals die große und unendliche Dylan-Epigonen-Diskussion...

Heute allerdings darf von einem Dylan-Revival gesprochen werden, obwohl Dylan die Rockbühne bislang nicht verlassen hat und relativ regelmäßig mit LPs von sich hören läßt. Denn was die neuen Traditionsbewußten interessiert, ist nicht Dylan ganz allgemein, sondern der Dylan von 1965 bis 1967, allenfalls noch seine frühe Protest-, Anti-Establishment-und Folk-Periode von 62 bis 65. Für eine nicht zu unterschätzende Zahl von Leuten existiert Dylan nämlich seit einem gewissen Punkt in den Siebzigern nicht mehr. Für diese Leute ist er ein chamäleongleicher, millionenschwerer. Luxuslimousinen besitzender, gealterter "Rock Star", dessen Musik und Leben die Konnotationen "Protest", "Aufbruch zu neuen Ufern" und "Emotionaler Anführer der Jugend" verloren haben. Eben einer, der morgen schon nicht mehr so ist, wie man ihn gestern noch geliebt und verehrt hat. Einmal, zweimal, dreimal hält der treue Fan das aus, aber auf Dauer?

Andererseits sind die vielen Wandlungen des Bob Dylan aber auch ein Grund dafür gewesen, daß er nie ganz aus der Öffentlichkeit verschwand. Einmal abgesehen von vereinzelten quasi-neurotischen Dylan-Forschern, selbsternannten Dylanologen, die Dylan ständig und überall auf den Fersen hingen, war dieser Mann allen Musikillustrierten der Welt doch immer dann eine Streitschritt wert, wenn er seine Gefolgschaft wieder einmal vor den Kopf zu stoßen gewagt hatte: musikalisch oder weltanschaulich oder beides. Ganz egal.

Photo: Peter Terrason Photo Selection

Darum geht es heute nicht mehr. Bob Dylan 1985 das ist sicher keine Sensation. Dafür hat der Mann sich schon zu viele Hörner abgestoßen, daß er noch einmal die Rock-Welt in Verwirrung und Aufruhr bringen könnte. In diesem Sinne besitzt das aktuelle Bob Dylan-Album "Empire Burlesque" absolut keinen Neuigkeitswert und bestätigt höchstens diejenigen, die schon auf "Infidels" Dylans Heimkehr zum Irdischen konstatiert haben. Nicht mehr und nicht weniger. Hier versucht ein Mann zu sagen, was er noch zu sagen hat, ohne Alter, Herkunft und seine privaten Gefühle zu verbergen. Und das ist akzeptabel. Und um den Vergleich von vorhin noch einmal aufzugreifen, ist mir Dylan in diesem Moment der Rockgeschichte dann doch noch lieber als ein Bruce Springsteen, der den American Dream mitsamt all seinen versteckten Lügen und Widersprüchen zu verkaufen versucht, als handele es sich um ein Butterbrot mit Schmalz drauf. Gute Hausmannskost sozusagen, die schon immer schmack- und nahrhaft gewesen ist und so plötzlich nicht falsch sein kann. Sicherlich haben die folgenden Zeilen aus dem aktuellen Dylan-Album nicht mehr die visionären Qualitäten vieler älterer Dylan-Lyrics, doch wird ein Ronald Reagan sie jedenfalls nicht zu vereinnahmen wissen:

"Don't trust me to show you the truth... if you want somebody to trust trust yourself."
Und auch der liebe Gott dürfte sich dieser Zeilen nicht gerade erfreuen. Soweit also Dylan 85.

20 Jahre zurück: Dylan 65. Vorauszuschicken gilt es, daß der Autor dieser Zeilen noch mit Schaufel und Förmchen im Sandkasten zugange war, als jener 1941 in Duluth / Minnesota als Kind einer jüdischen Familie geborene Robert Zimmermann Mitte der 60er Jahre auf den Höhepunkt seiner Karriere zustrebte. Und daß der Autor, wie alle die damals nicht dabeigewesen waren, seine Eindrücke durch die Lektüre von Biographien und Pamphleten, von Zeitschriftenartikeln und Geschichten der Rockmusik gesammelt hat. Post festum nachdem von den 60ern und Woodstock nicht mehr als eine starke kollektive Erinnerung geblieben war.

Auf dem Newport Folk Festival am Abend des 25. Juli 1965 tut dieser Bob Dylan etwas, was ihm zuvörderst Buh-Rufe und Pfiffe einbringt: Er schließt nämlich seine Gitarre an einen elektrischen Verstärker an und setzt damit (begleitet von der Paul Butterfield Blues Band) das Startsignal für eine Musikrichtung, für die man später die Schublade "Folk-Rock" findet. Die Folk-Puristen und ihre Presse können den Sprung ihres Idols aus der Folk-Ecke zum Rock nicht verkraften und werfen Dylan in aller Polemik eine "Liaison mit der Top 40-Hitparade des Musikgeschäftes" ("Sing Out". 1965) vor. Dylan, der Verräter, Dylan, der Teenstar, der kommende Elvis. Den können die Folkies partout nicht leiden. Anders Bob Dylan, der in seiner. Jugend mehrere Rock'n'Roll-Bands geformt und Elvis und Little Richard als Idole verehrt hatte. Das entspricht der Wahrheit. Was der junge Folk-Vagabund Dylan diesen Episoden zu Beginn der 60er Jahre noch alles hinzudichtet er sei ein Waisenkind aus New Mexico, seine Verwandten wären angeblich Spieler aus Las Vegas, ein Sioux-Indianer und ein berühmter Taschendieb trägt jedenfalls wunderbar zum "Mythos Dylan" bei, den er sich in den folgenden Jahren auch auf redliche Weise zu erwerben weiß. Doch darauf kommt es im Pop nicht an. Pop ist buntes Blendwerk, und Dylan war immer auch ein Blender, ein Pretender, der genau wußte, was er von sich preisgeben mußte, um seine Karriere zu forcieren.

Im New Yorker Greenwich Village der frühen 60er entwickelt er sich schnell zum exponierten Vertreter einer Folk-Szene, der schon seine späteren Vertrauten Joan Baez und Phil Ochs angehören. Dylan-Songs sind vielschichtiger, ergreifender und deutlicher als die seiner Kollegen: Neben zärtlichen Liebesliedern wie ''Corrinna, Corrinna" treten bald politische Protest-Songs und apokalyptische Visionen von einem Alptraum-Amerika mit "Air Condition und Wasserspülung".

Und: Dylan schreibt mit "Blowin' In The Wind" die Folk-Hymne einer Jugend, die wie viele seiner späteren Songs das politische und kulturelle Klima seiner Zeit zu archetypischen poetischen Songs verdichtet. Slogans, welche in der Folge zu Lebensregeln seiner Anhänger reifen. Dylan, der Prophet, der Messias. Später meinte Dylan, er sei nie richtig politisch interessiert gewesen. Trotzdem darf man Bob Dylan bescheinigen, daß er dem Protest-Song in der modernen Musik zum entscheidenden Durchbruch verholfen hat. Und er zeigte auch folgendes: Daß man, mitten im Showbusiness stehend, eine Zeit lang gegen die Zwänge desselben und der Gesellschaft anreden kann. ohne dabei sein Leben weiter in kleinen, dreckigen Clubs fristen zu müssen. Dylan machte klar: Protest sells protest counts. Eine für den Beginn der 60er Jahre revolutionäre Erkenntnis. Und ein Anstoß sorgte er doch mit dafür, daß Protest und politisches Engagement etliche Bereiche der Gesellschaft durchsetzen konnten, um gegen Ende des Jahrzehnts in politischen Unruhen zu kulminieren, und schlußendlich wieder ein Teil des zu Beginn bekämpften Establishments zu werden.

Noch einmal ein Sprung in das für Dylan so wichtige Jahr 65. Spätestens nach "Highway 61 Revisited" hat sein neuer Stil auch die letzten Zweifler überzeugt. Dylan avanciert zum "Superstar Bob", der in dicken Limousinen sitzend abgelichtet wird, unnahbar und arrogant wirkt. Diese LP und das nachfolgende Doppelalbum "Blonde On Blonde" (66) begründen seinen Ruhm als außergewöhnlichen Songwriter, als modernen Rimbaud, als "King Dada"; den genialen Beatnik-Lyriker schlechthin.

Dylan hat beinahe von jeder inhaltlichen Aussage in seinen Texten Abstand genommen und reimt, was das Zeug hält: "In the empty lot where the ladies play blindman's bluff with the key chain / And the all-night girls they whisper of escapades out on the "D" train / We can hear the night watchman click his flashlight / Ask himself if it's him or them that's really insane. " ("Visions Of Johanna", 1966). Für einen Moment steht Dylan damit an der Spitze der Rock- und Jugend-bewegung, weil er vorwegnimmt, was andere später wesentlich bunter (die Beatles auf "Sgt. Pepper's...") oder schräger (die Rolling Stones auf "Their Satanic Majestic Request") in Szene setzen werden; die von Drogenkonsum und fernöstlicher Literatur inspirierte Reise ins Innere.

Zitat Dylan:

"Sie (die Leute) sollten alles tun, was ihnen Spaß macht. Was über Sex lernen und Drogen und deinen Kopf. Sogar einen Kopfstand machen und so Zeug... Wird dich vielleicht durchrütteln. Wir brauchen alle etwas, was uns durchrüttelt. "
Vom politischen Protest distanziert sich Dylan jetzt klar:
"Was Joan Baez macht und all diese Demonstranten, die werden die Welt nicht retten, Es ist nicht wahr, daß sie in den Herzen der Menschen etwas verändern können."

Zur gleichen Zeit reagiert Dylan immer gereizter auf die Erwartungen seiner Anhänger, die in ihre abgöttischen Verehrung seiner Person auf ein neues Fingerschnippen des Meisters harren, daß alle Pop-Tempel der Welt wieder einmal erbeben. Tourneestreß und Starrummel tun ein übriges: Dylan ist verzweifelt.

Ein Motorradunfall Mitte 1966 unterbricht jäh die Karriere Dylans und zwingt ihn zu einem längeren Krankenhausaufenthalt. Als er nach selbstverordneter 15-monatiger Pause in seinem ruhigen Landhaus bei Woodstock erstmals von sich hören läßt, hinterläßt er bei dem neugierig gewordenen Rockvolk wieder einmal Verwirrung; Ein zur Einfachheit gereifter, freundlicher. warmer Bob Dylan hat vom Superstardasein ganz bewußt Abschied genommen. Er formuliert auf seiner LP "John Wesley Harding" simple biblische Wahrheiten über einer ruhigen, mit Country-Anklängen durchsetzten Musik.

Und das soll noch der Mann sein, den die Fans zum Bannerträger der 60er Jahre gemacht hatten? Mit den beiden nachfolgenden Alben "Nashville Skyline" und "Self Portrait" stößt er bei vielen auf noch herbere Kritik. Vom engagierten jungen Folk-Romantiker über den sarkastischen und schroffen Rockstar der Mittsechziger hatte er sich zu einem Mann entwickelt, der nur noch für sich selbst zu singen schien: zufrieden und auf die angenehmen Seiten des Lebens fixiert. In der Country Music und der Zusammenarbeit mit Johnny Cash findet er einen adäquaten Ausdruck seiner damaligen Ideen. Dylan gelingt es mit diesen Platten ein letztes Mal, die Stimmung einer Zeit auf den Punkt zu bringen: "Er hatte den resignierten Abschied des Rockvolks von der Politik und den Beginn der Ego-Trips vorausgeahnt und mit autobiographischer Aufrichtigkeit beschrieben." Danach erschienen für meinen Geschmack nur noch drei gute Dylan-LPs, allesamt im Jahre 1975: zuerst "Blood On The Tracks", dann die "Basement Tapes", die Dylan während seiner Schonzeit 1966/67 im Keller des Hauses Big Pink zusammen mit The Band aufgenommen hatte, schließlich "Desire".

"Desire" eine LP, die den Autor wieder ins Spiel bringt. Genauer: die erste Bob Dylan-LP, die er in den Siebzigern aktuell mitbekam. Seine ersten "Begegnungen" mit Bob Dylan hatte er wie so viele seines Alters schon vorher gehabt, auf Camping-plätzen, in Jugendherbergen, bei Lagerfeuer und Grillenzirpen; vorwärts, rückwärts, rauf und runter, bis zur Vergasung "Blowin' In The Wind", "Lay, Lady, Lay" und "Don't Think Twice, It's All Right". Das reine Vergnügen war das nicht. Nicht immer zumindest. Die Dylan-lmitatoren waren meist zaghaft und leis', so fiel es dem Autor nicht schwer: Er hörte weiter T. Rex und Sweet und Slade. Später erst sollte er den Dylan der Mittsechziger kennen- und schätzen lernen da gab's dann schon den vergleichsweise musikalisch ausgelaugten Dylan von "Slow Train Coming" und "Saved". Und Punk. Danach war sowieso alles anders. En passant bemerkt, mag der Autor auch in seinem momentanen Dylan-Hoch etliche Dylan-Coverversionen lieber als die Originale des Bob Zimmermann: "Mr. Tambourine Man" von den Byrds zum Beispiel, "All Along The Watchtower" von Hendrix oder "Mighty Quinn" in der Version eines Manfred Mann.

Und das sagen auch Leute, die Dylan als Jugendliche in den Sixties miterlebt haben:

"Dylan war wichtig als Komponist, weniger als Musiker. Und als Dylan Country machte, muß ich gestehen, fand ich echten C & W besser. Was bleibt, sind die Texte: schöne Formulierungen, Name-Dropping. Aber wenn man Textexegese nicht intensiv betreiben wollte, dann war das nicht der richtige Mann." (Wolfgang Bauduin, Ex-Musik-Express-Kritiker).

Foto: Simon Fowler Photo Selection

 

Produzent Conny Plank hat verschiedene Einflüsse Dylans ausgemacht:

"Dylan hat vielen Leuten beigebracht, wie man singt. Selbst Mick Jagger und Lou Reed haben von ihm gelernt. Daß ein Weißer frech und direkt wird und in Richtung Klartext singt das war neu. Und Bob Dylan hat den Weißen beigebracht, Gefühle auszudrücken, Gefühle, die vorher im Rock'n'Roll nur als Pose existierten. "

Während Dylans Einfluß auf die Pop Musik der Sixties gemeinhin akzeptiert wird. darf sich um den heutigen Stellenwert Dylans in der heutigen Musikszene gestritten werden.

In die Arena, meine Herren:

"Bob Dylan 1985. das ist für mich ein Musiker wie jeder andere. Macht er eine gute LP, wird dies erwähnt, macht er Mist, wird er verrissen. Dylans Einfluß auf die Musikgeschichte ist riesig. Vor allem, weil er dem folkloristischen 'plink plink' 1965 elektrische Impulse einimpfte. " (Bernd Matheja / Hamburger Morgenpost).

"Bob Dylan hat sich auf seinem neuen Album 'Empire Burlesque' endgültig frei-geschwommen von seinen verqueren religiösen Obsessionen. Faszinierende Texte, musikalische Frische und ein moderner Sound bestätigen ihn aufs Neue als den wahren Meister des puren 'Folk Rhythm & Blues'... Dylan bleibt eine Klasse für sich: Die Diskussion, ob es 'the next Bob Dylan' gibt, habe ich immer für abwegig gehalten. Seine Songs waren und bleiben ein Soundtrack zu unserer Zeit." (Wolf Maahn).

Einer, der bei Dylan immer noch eine "Gänsehaut" kriegt:

"Gesamt-Dylan nimmt heute gut und gerne einen halben Meter im Plattenschrank ein. Trotzdem tragen auch die zwei neuen Zentimeter dazu bei, den Mythos des alten Herrn Zimmermann zu befördern. Auch 1985 hat dieser tieftraurige Mann mehr zu sagen als die meisten Pop-Greenhorns mit ihrer Wegwerfmusik." (Teddy Hoersch. Mitarbeiter ME /Sounds).

Bleiben noch zwei Stellungnahmen allgemeiner Natur:

"Musik muß für mich einen starken Rhythmus haben, daß es dich runterzieht. Bob Dylan war mir auch damals musikalisch schon zu angepaßt. Den Mythos Dylan verstehe ich nicht." (Helmut Zerlett von den Unknown Cases).

"Bob Dylan: Auf der nach unten offenen Richterskala ganz unten. " (Holger Czukay).

Zuguterletzt Bob Dylan selbst:

"In den 80er Jahren wird jeder, der etwas machen will, seine Karten offenlegen müssen." (1978) in einem Rolling Stone-Interview).
Ein Wort, auf das man Bob Dylan beizeiten noch einmal hinweisen sollte, wenn er an seinen Abschied denken sollte. Nicht jetzt. Nicht heute. Denn im Pop-Business ist es wie im Fußball: Die alten Recken schießen manchmal ganz unerwartet noch die schönsten Tore.

Frank Sawatzki


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